Kritik: Hanne

Iris Berben glänzt in "Hanne" als Frau, die am Tag ihrer Pensioniertung erfährt, dass sie womöglich Blutkrebs hat. Kein durchschnittlicher Fernsehfilm.

Erfrischend anders

Hanne ist keine durchschnittliche Frau - und "Hanne" ist kein durchschnittlicher deutscher Fernsehfilm. Iris Berben verkörpert die selbstbewusste Vorstandssekretärin Hanne Dührsen, die am Tag nach ihrer Pensionierung erfährt, dass sie vielleicht Blutkrebs hat. Nun gilt es, das Wochenende bis zur endgültigen Diagnose zu überbrücken. 

Das tut Hanne in einer fremden Stadt, wo sie auf jede Menge sympathische und weniger sympathische Menschen trifft, die ihr jedoch alle auf ihre Weise dabei helfen, mit der Unsicherheit umzugehen. 

Wechselbad der Gefühle

Berben ist eine großartige Besetzung für die Rolle – glaubhaft bildet sie das Wechselbad der Gefühle ihrer Figur ab. Hanne will sich mit neuen Eindrücken ablenken, doch immer wieder kommt die Angst in ihr hoch. Iris Berben sagt von sich selbst, keine Feministin zu sein, ihre Hanne ist ein echtes Vorbild für Frauen, die kein Blatt vor den Mund nimmt und deutlich sagt, was sie will – und das dann auch macht. Eine unkonventionelle Frau, die mit ihrem erfrischenden Selbstverständnis bisweilen zum Schmunzeln anregt. 

Regisseur Dominik Graf hat sein TV-Drama durch Stimmen aus dem Off in Kapitel eingeteilt, was wunderbar zur strukturierten Art von Hanne passt. Ein außergewöhnlicher Schnitt, liebevolle Details und unverklärte Situationskomik runden "Hanne" ab.

Autor: Sabine Storch

11.6.2019, 10.53 Uhr

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