Kritik: When They See Us

Die Netflix-Serie "When they see us" zeigt, dass Vorurteile gegenüber Nicht-Weißer in den USA heute immer noch aktuell ist.

Aufrüttelnd aktuell 

Fünf Teenager, vier Afroamerikaner und ein Latino, werden wegen der Vergewaltigung einer weißen Joggerin im Central Park zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Zu Unrecht, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren und vor allem: Weil sie nicht weiß waren. 

Die Dramaserie "When They See Us" von Regisseurin Ava du Vernay ("Selma") folgt Kevin, Antron, Yusef, Raymond und Korey von dem schicksalhaften Abend im Jahr 1989 durch das brutale Verhör der Polizei und das Erzwingen eines Geständnisses bis hin zur Gerichtsverhandlung, der Haft und ihre Nachwirkungen. 

Den Nerv getroffen

Die Serie löste in den USA einen medialen Shitstorm gegen die Verantwortlichen aus. Die damalige Staatsanwältin Linda Fairstein, mittlerweile Bestsellerautorin, wurde von ihrem Verlag fallen gelassen, ihre Kollegin Elizabeth Lederer verlor ihren Posten als Dozentin an der Columbia University. 

Eine kleine, aber wichtige Rolle spielt in der Serie auch Donald Trump. Der damalige Immobilienmogul forderte in ganzseitigen Zeitungsanzeigen die Todesstrafe für die Teenager und befeuerte die rassistische Hetze noch weiter. Du Vernay zeigt, wie aktuell der Fall und die pauschale Vorverurteilung Nicht-Weißer in den USA auch 30 Jahre später noch ist. Ein aufrüttelndes, wichtiges Werk, das einen Nerv trifft und unglaublich wütend macht.

Autor: Susanne Bald

19.6.2019, 13.50 Uhr

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