Kritik: Endabrechnung

Der Landkrimi "Endabrechnung" kommt wie immer ohne deutsche Synchronisation daher. Genaues Hinhören im dialektgefärbten Psychoduell zwischen Robert Palfrader und Tobias Moretti lohnt sich dennoch.

Dolchspitze Dialoge 

Was für ein herrlicher Schmierlappen! Gelfrisur, gestutztes Oberlippenbärtchen, Sonnenbrille, Maßanzug: Optisch ist Tobias Moretti als Staatsanwalt Nicoletti das Ebenbild eines Schmalspur-Casanovas. Die eiskalten Augen strafen das gewinnende Lächeln Lügen. 

In der Tat lässt der Meraner Polizeichef Kollegen skrupellos ins Messer laufen, wenn es eigenen Interessen dient. So erging es auch dem Burnout-Bullen Höllbacher (Robert Palfrader), der in Meran seine Wunden leckt. Als es in der Vorstandsebene einer Bank zu einer Reihe von Morden kommt, wird der Rekonvaleszent hinzugezogen. Er wittert eine Möglichkeit, es seinem Erzfeind Nicoletti heimzuzahlen. Und so entwickeln sich die Ermittlungen zu einem Psycho-Duell, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. 

Überzeugender Charaktermime

Ein wenig Kampfgeist muss auch der des Südtiroler Zungenschlags unkundige Zuschauer mitbringen, um das dialektgefärbte Sprachgestrüpp zu durchdringen. Der "Landkrimi" kommt, wie üblich, ohne deutsche Synchronisation daher. Doch der Aufwand lohnt sich. 

Der Satiriker Palfrader kann als Charaktermime gänlich überzeugen. Wenn er und Moretti sich vor grandioser Gebirgskulisse dolchspitze Dialoge in den Leib rammen, ist das der Gipfel der Schauspielkunst. Oder um im Sprachbild zu bleiben: "Woll, woll – passd scho!"

Autor: Florian Büttner

2.7.2019, 13.31 Uhr

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