Terra X: Kielings wilde Welt

Ein selten komischer Vogel

Die zweiteilige "Terra X"-Doku "Kielings wilde Welt" ist spannend und gelegentlich sogar lustig. Immer nah dran an den Tieren

Von bedrohten Arten und Überlebenskünstlern

Kennen Sie den Kakapo, auch Eulenpapagei genannt? Nein? Das liegt wahrscheinlich daran, dass es nur noch rund 150 Exemplare gibt. Sie leben verteilt auf drei von allen Fressfeinden befreiten Inseln im Fjordland der Südinsel Neuseelands. Der Kakapo ist der einzige Papagei, der nicht fliegen kann.

Sein Hauptproblem ist aber ein ganz anderes: Er paart sich einfach zu selten. Die Vögel brüten nur, wenn es genug von ihrer Leibspeise gibt. Die liefert der Rimu-Baum, der dummerweise nur alle drei bis fünf Jahre ausreichend Früchte trägt. Irgendwie logisch also, dass der moosgrüne Vogel mit dem eulenartigen Schnabel unter strengstem Artenschutz steht. Pro Jahr darf nur ein Filmteam in Begleitung von Vogelforschern auf eine der Inseln.

Immer ganz nah dran

Klingt ganz nach einem Job für Andreas Kieling. Seit 25 Jahren besucht der Produzent, Filmer und Autor die wildesten Ecken der Welt, um Grizzly, Waran oder Hai aus der Nähe zu filmen. Kieling ist immer mittendrin. Auge in Auge mit den gefährlichsten Tierarten der Welt. So kennt man den Blondschopf mit der sanften Stimme.

"Tierfilmer und Abenteurer" lautet konsequenterweise auch die Selbstbeschreibung des gebürtigen Thüringers. So etwas wie Angst scheint er nicht zu kennen: "Es gibt nur wenige Tiere, die uns Menschen als Bedrohung empfinden." Für weit gefährlicher als die meisten wilden Tiere dieser Erde hält der passionierte Motorradfahrer übrigens die deutschen Autobahnen am Freitagnachmittag.

Im "Terra X"-Zweiteiler "Kielings wilde Welt" stehen bedrohte Arten und ihre Anpassungs- und Überlebensstrategien an unwirtlichen Orten im Fokus. Kieling wäre nicht Kieling, wenn er nicht auch diesmal wieder mit vollem Körpereinsatz dabei wäre. Egal ob beim Baden mit japanischen Schneeaffen in einer heißen Quelle, mit der Hand im Schnabel eines Krauskopfpelikans am griechischen Kerkini-See oder bei 50 Grad Celsius in der namibischen Wüste bei der Verfolgung einer Herde Wüstenelefanten.

Kampf gegen Windmühlen

Viele Tierarten sind vom Aussterben bedroht, weil der Mensch ihre Lebensräume umgestaltet oder zerstört. Kieling arbeitete für seine Aufnahmen mit Wissenschaftlern zusammen, die ihn an ihren Artenschutz-Projekten teilhaben ließen. Der Ornithologe Peter Berthold stattet Rotmilane in Baden-Württemberg mit Sendern aus. 60 % der Weltpopulation des Greifs, auch "Roter Drache" genannt, leben in Deutschland.

Weltweit gibt es noch ca. 25 000 Paare. Für ihre Beutezüge brauchen sie viel Platz und offene – also windreiche – Landschaften. Im Flug orientieren sich die Greife aber nur nach unten. Was sich vor oder hinter ihnen abspielt, sehen sie nicht. Windräder werden so zu "Vogelschreddern". Bertholds Forschungsergebnisse bestätigen, dass die Windräder oft zu nahe an den Flugrouten der Vögel stehen. Kein Wunder also, dass Tierfreund Kieling Windkraftgegner ist.

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