Ein kalifornischer Traum: "Im Zauber der Wildnis

Auch das Paradies ist keine Insel

Biologen und Ranger kämpfen um ein grandioses Geschenk der Natur: "Ein kalifornischer Traum"

Der Yosemite-Nationalpark

Dienstag, 22.15 Uhr im ZDF – da widmet sich entweder die Reihe "37°" Schicksalsschlägen aller Art, oder die "Anstalt"-Satiriker erklären, wie hoffnungslos die Weltlage ist. Kurz vor Weihnachten gönnen uns die Mainzer nun einen Farbtupfer im Programmablauf: das Porträt einer Naturschönheit sondergleichen, des Yosemite-Nationalparks, des ältesten seiner Art in den USA. Kritische Töne können uns die Macher dabei aber nicht ersparen, sehr zu Recht …    

Ein Präsident sieht grün 

Über 3000 Quadratkilometer erstreckt sich das Paradies aus Felsen, Wasserfällen und uralten Bäumen. Eine grandiose Kulisse, die auch Präsident Roosevelt Anfang des 20. Jahrhunderts den Atem raubte. Ein Umweltschützer hatte ihn zum Wandern eingeladen, und der Politiker war dermaßen beeindruckt, dass er den Park sogleich den Bundesbehörden unterstellte und ihn so zum Nationalerbe machte. Aber die Zeiten ändern sich bekanntlich, vor allem unter Roosevelts aktuellem Nachfolger im Amt: "Wir spüren, dass Umweltthemen immer mehr zu Glaubensfragen werden: ,Glaubt an den Klimawandel, oder glaubt nicht daran‘. Das ist sehr frustrierend", sagt der Biologe Bartshe Miller über die Ignoranz des Offensichtlichen. 

Neben der Erwärmung und der Trockenheit leidet der Park unter der Nähe von Metropolen wie San Francisco und Los Angeles. "Man ist versucht, den Park als eine Insel wahrzunehmen. Doch wir bekommen Luft aus ganz Kalifornien, und das bedeutet, dass auch die städtische Luftverschmutzung bei uns ankommt", beklagt Park-Ranger Pete Devine. Zudem zieht die intensive Landwirtschaft außerhalb des Parks immer mehr Grundwasser ab.  Die Folgen spüren auch die berühmten Mammutbäume, welche die Biologin Wendy Baxter erforscht. 

Eigentlich seien die hart im Nehmen: "Man wird nicht 3000 Jahre alt ohne ein gewisses Maß an Robustheit mitzubringen". Doch die Dürreperioden gehen auch am Blattwerk in 90 Meter Höhe nicht spurlos vorbei. Spuren hinterlässt leider auch der Tourismus. So wurde das ZDF-Team zufällig Zeuge, als am berühmten Felsen "El Capitan" eine gewaltige Felsplatte abbrach, und Biologe ­Miller vermutet,­ dass die intensive Nutzung durch Kletterer dabei eine Rolle spielte. Überhaupt sorgen ihn die mittlerweile mehr als vier Millionen Besucher pro Jahr: "Es geht immer mehr darum, die Natur nur zu konsumieren".

Der Park als Warnzeichen 

Statt eines Fazits bleibt am Ende eher eine bange Frage: Wenn schon ein geschützter Park derart unter Klimawandel und Raubbau leidet, wie geht es dann erst dem Rest des Landes? Hoffen wir, dass die mahnenden Stimmen der Biologen nicht nur auf taube (Präsidenten-)Ohren stoßen.   

Zündelnde Feuerwehr, schwere Jungs

Um die Natur zu wahren, gehen die Verantwortlichen im Yosemite-Nationalpark ungewöhnliche Wege. Die Feuerwehr rückt nicht nur zum Löschen aus, sondern legt gezielt Brände, um die Entwicklung der Natur zu steuern und Raum für neues Leben zu schaffen. Um die intensive Arbeit zu bewältigen, setzen Feuerwehr und Parkverwaltung auch Strafgefangene ein. Das ZDF-Team durfte sie begleiten und erfahren, welchen Einfluss die Tätigkeit in der freien Natur auf Häftlinge hat, die zum Teil zu langjährigen Strafen verurteilt sind.

11.12.2017, 12.26 Uhr

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