"Herrgott für Anfänger"

Gottloser Schmäh

In der Multikulti-Komödie "Herrgott für Anfänger" gerät ein Wiener Lebemann zwischen zwei Frauen – und zwei Weltreligionen.

Schäfchen, ich tauf' dich! Pfarrer Benedikt (Thomas Mraz) will Musa (Deniz Cooper, 2.v.r.) "eingemeinden"

Diener zweier Herren

Taxifahrer Musa (Deniz Cooper) ist gebürtiger Wiener - mit türkischen Wurzeln: "Man könnte auch sagen, ich bin türkischer Wiener. Aber da denkt dann jeder an ein exotisches Würstel", so der Filou und Freizeit-Casanova. Persönlich hat er "mit organisierter Religion nix am Hut", hat aber "auch nix dagegen, solange sie keine Bomben schmeißen oder kleine Buben betatschen." Als er sich aber in die strenggläubige Tochter seines Chefs verliebt, muss er für seine Angebetete zum Muster-Moslem werden. Problem: Taxistammkundin Weininger (toll: Erni Mangold) vererbt Musa gleichzeitig ihren Heurigen samt Weinberg. Bedingung: Musa muss Christ werden. Folge: ein heilloses Liebes- und Religionschaos.

Religionsstunde?

Die von Sascha Bigler ("Kommissar Pascha") inszenierte ORF/BR-Koproduktion hat alles, was eine launige Multikulti-Komödie braucht: erstklassige Darsteller wie Cooper (selbst gebürtiger Wiener mit türkischen Wurzeln), Tim Seyfi als Wiener Imam oder Katharina Straßer als Heurigen-Wirtin mit Haaren auf den Zähnen. Außerdem viel Tempo und zündende Gags. Wer allerdings einen fundierten Beitrag zum interreligiösen Dialog erwartet, sei vorgewarnt: Mehr als schablonenartige Kritik an Opportunist Musa, Vorurteilen gegenüber Muslimen und - wichtig: den beiden Religionen - leistet die Komödie nicht. Muss sie aber auch gar nicht. "Herrgott für Anfänger" lebt von pointierten Dialogen und dem öligen Charme des Wiener Schmähs, der gerade auch mit einem "exotischen Würstel" wie Musa hervorragend funktioniert.

29.12.2017, 12.06 Uhr

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