"Gestüt Hochstetten"

Die ganz hohe Schule

Aufgesessen: Der Vierteiler "Gestüt Hochstetten" macht selbst pferdescheue Skeptiker süchtig. Einer der Gründe ist das Spiel unseres Titelstars Julia Franz Richter.

Sechs Stunden Selbstfindung

Wie schön, wenn man mal die eigenen Vorurteile abwerfen kann. Eine TV-Reihe über eine arme Bäckerin, die von ihrem unbekannten Vater ein Gestüt erbt und sich nun mit den Intrigen ihrer Verwandten rumschlägt – klingt nach totalem Kitsch, nicht wahr? Zumal das Skript von Lea Schmidbauer stammt, Autorin der "Ostwind"-Reihe, die, mit Verlaub, nur für echte Pferdefans Genuss bietet. Doch mag die Grundidee des Vierteilers "Gestüt Hochstetten" auch recht naiv sein, die Umsetzung ist einfach hinreißend.

Sechs Stunden lang fesselt die Selbstfindung der Heldin Alexandra, die nicht daran denkt, sich in eine Prinzessin zu verwandeln. Eine Heldin, der Unworte wie "Fuck" oder "vögeln" locker über die Lippen kommen, die ihren Straßengören-Look pflegt und die sich oft aus Sturheit verrennt. Bemerkenswert, wie schnell rtv-Titelstar Julia Franz Richter dem Zuschauer mit ihrem charmant-dezenten Spiel ans Herz wächst.

Ebenso bemerkenswert ist, dass ihre Gegenspieler keine Schurken aus dem Bilderbuch sind, sondern ziemlich komplexe Charaktere. "Es gibt zu jeder Figur eine Geschichte, die man schön langsam erfährt", erklärt die Hauptdarstellerin.

Servus im Ersten

Und es sind viele Gesichter dabei, die zumindest im deutschen Fernsehen nicht oft zu sehen sind - aber unbedingt sehenswert. "Trakehnerblut" hieß die Reihe ursprünglich in Österreich, sie wurde vom Privatsender "Servus TV" produziert und in acht Folgen erstausgestrahlt. Nun zieht die ARD nach, in Form von vier 90-Minütern unter neuem Titel. Wenn es Ihnen so geht wie uns in der rtv-Redaktion, sollten Sie sich die nächsten Samstagabende schon mal freihalten ...

 

15.1.2018, 13.38 Uhr

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