"Das Gesetz der Löwen"

Unfassbar grausam

Mit großem Aufwand wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren die Tierdoku "Das Gesetz der Löwen" gedreht. Sie zeigt Verhaltensweisen der Großkatzen, die überraschen – und zum Teil schockieren

Folter im Tierreich?

Die junge Löwin ist schwer verwundet. Das feindliche Rudel hat sie in seiner Gewalt – und nutzt sie regelrecht als Geisel. Es wäre ein Leichtes, sie zu töten. Stattdessen traktieren sie sie mit schmerzhaften Bissen in die Flanken, gegen den Kopf. Ziel: Ihr Rudel, das in Sichtweite das Geschehen verfolgt, auf diese Weise zur Unterwerfung zu zwingen. Eine unfassbar grausame Szene offeriert uns der erste Teil der Tierdoku "Das Gesetz der Löwen", die arte in dieser Woche zeigt. Folter im Tierreich? Dieses Verhalten wird man kaum anders bezeichnen können.

Sechs Jahre hat die österreichische Produktionsfirma "Terra Mater Factuam Studios" in Tansania gedreht und dabei höchst verblüffende Verhaltensweisen dokumentiert. arte zeigt die überraschenden und bewegenden Bilder nun in deutscher Erstausstrahlung. Tierdokus im Fernsehen – da überbietet man sich oft gegenseitig mit sensationellen Bildern und dramatischen Effekten. Auch "Das Gesetz der Löwen" ist nicht ganz frei davon. Das Geschehen untermalt man gerne mal mit Musik, die in einem Hollywood-Drama bestens aufgehoben wäre, die Löwenrudel erhalten Namen, die Schicksale einzelner Tiere werden erzählt, als handele es dabei um Menschen. Gleichwohl: Dieser dokumentarische Dreiteiler ist höchst sehenswert.

Verändertes Verhalten

So manche Vorstellung über tierische Verhaltensweisen wird man danach überdenken müssen. Nicht nur Schockierendes wird gezeigt – auch Überraschendes, das demonstriert, wie sich Tiere auf eine Welt im Wandel einstellen und alte Verhaltensweisen ändern. Ein Beispiel: Im Ruaha-Nationalpark in Tansania, dem Drehort, leben Löwen und Paviane friedlich nebeneinander. Sonst schätzen die Katzen die Affen als Delikatesse. Warum ist das hier anders?

Auch hier eine überraschende Auflösung: Die beiden Tierarten sind eine Allianz eingegangen, eine Art Gegengeschäft: Üblicherweise schlagen die Paviane lautstark Alarm, wenn sich ein Löwenrudel einer Wasserstelle nähert. Die trinkenden Büffel sind dann gewarnt und haben genug Zeit zur Flucht. Anders hier: Die Paviane haben Katzen wie Huftiere im Blick, verhalten sich aber völlig still. So gelingt es dem Rudel, einen Büffel zu erlegen. Die Paviane lässt es, als Gegenleistung, in Ruhe.

Faszinierende Bilder

Überleben ist ein Kampf, mit wechselnden Bedingungen und Regeln. Faszinierende Bilder zeigt dieser außergewöhnliche Dokudreiteiler – und vermittelt interessante Denkanstöße. Vielleicht vermenschlicht man hie und da allzu sehr, aber das ist auch kein Lehrfilm für die Zoologievorlesung. Die Strategie der Löwengruppe übrigens, mit dem Quälen der fremden Löwin deren Rudel zur Unterwerfung zu zwingen, ging auf. Für das Weibchen freilich kam die Rettung zu spät. Kurz darauf starb es an seinen schweren Verletzungen.

22.1.2018, 16.15 Uhr

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