"Der namenlose Tag"

Der Gedankenfühler

Ein Oscar-Preisträger, ein Bestsellerautor und drei ganz famose Darsteller: Der Krimi "Der namenlose Tag" ist außergewöhnlich.

Ungewöhnliche Methode

Als Kommissar brachte Jakob Franck den Tod zu den Menschen. Er musste Hinterbliebene über das Ableben von Angehörigen informieren. Jetzt ist er pensioniert, doch die Toten lassen ihn immer noch nicht los. Ludwig Winther (Devid Striesow) gibt ihm die Schuld am Tod seiner Frau Doris (Ursina Lardi). Sie brachte sich um, nachdem Franck ihr die Nachricht vom Selbstmord ihrer Tochter Esther übermittelt hatte. Doch Winther glaubt bis heute nicht, dass Esther den Freitod wählte, und bittet Franck zu ermitteln. Der stellt mit seiner ureigenen Methode Nachforschungen an: der "Gedankenfühligkeit".

Glücksgriff fürs ZDF

Diese zunächst etwas schwer nachvollziehbare Idee stammt von Krimi-Vielschreiber Friedrich Ani ("Tabor Süden") und ist so etwas wie eine Art übersinnliches Einfühlungsvermögen. "Damit kommt er Dingen auf die Spur, die sich der Wahrnehmung anderer entziehen", sagt Thomas Thieme, der den pensionierten Kommissar mit eindringlicher Präsenz verkörpert.

Für die Romanvorlage hat Ani 2016 den Deutschen Krimipreis bekommen. Das ZDF konnte für die TV-Adaption einen echten Spezialisten für Literaturverfilmungen gewinnen: keinen Geringeren als Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel"). Der war sich zu Beginn zwar nicht sicher, ob er so etwas überhaupt könnte: einen Primetime-Krimi für ein breites Publikum. Doch der Roman hat ihm auf Anhieb gefallen: "Ani erfindet nicht, er beobachtet, das spürt man seinen Figuren an."

Ein wenig sperrig ist das Ergebnis trotzdem. Aber der Krimi überzeugt mit einer feinfühligen Geschichte, starken Dialogen (Schlöndorff hat auch das Drehbuch verfasst) und den klasse Leistungen von Thieme, Striesow und Lardi. Insgesamt also eine glückliche Fügung, die es so nicht jeden Tag im deutschen TV gibt.

29.1.2018, 13.02 Uhr

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