"Fremder Feind"

Ein Pazifist im Krieg

Ulrich Matthes zieht sich im Freiluft-Kammerspiel "Fremder Feind" in ein einsames Alpental zurück – statt Frieden findet er Krieg.

Kriegsgeschichten 

Ein Mann stapft mit einem Hund durch eine verschneite Berglandschaft zu einer Hütte. Ein Bergsteiger? Aussteiger? Es ist Arnold Stein (Ulrich Matthes). Er will sein altes Leben hinter sich lassen. Doch ein Unbekannter stört die Idylle, verwüstet die Hütte und verletzt den Hund. Stein beginnt, sich zu wehren.

In Rückblenden rollt Regisseur Rick Ostermann ("Wolfskinder") die tragische Vorgeschichte auf: Das pazifistische Lehrer-Ehepaar Stein ist fassungslos, als sich sein Sohn Chris für einen Bundeswehreinsatz in einem Kriegsgebiet meldet, und durchlebt eine aufreibende Zeit zwischen Bangen und Hoffen. Besonders Karen Stein (Barbara Auer) fürchtet um das Leben ihres Sohnes.

Dramaturgische Zuspitzung

Natürlich ahnt der Zuschauer bald, wohin das Drama in der sommerlichen Großstadt führt, der Überlebenskampf in Eis und Schnee aber bleibt rätselhaft bis zum Schluss. Gedreht wurde in Berlin und bei extremer Kälte im Tiroler Navistal. Ostermann verbindet beide Ebenen gekonnt miteinander und lässt sie parallel auf die Katastrophe zulaufen.

Die Romanvorlage zum Kammerspiel mit Thrillerelementen stammt von Jochen Rauch und heißt schlicht "Krieg". Fasziniert hat Ostermann die Frage: "Wie verhält sich ein Pazifist, wenn er selbst in einen Konflikt gezwungen wird?" Ulrich Matthes beschreibt Stein "als freundlichen Alt-68er und Pazifisten", der zur Waffe greift, weil der Krieg in sein Leben eindringt. Ein Widerspruch, der ziemlich schwer zu spielen ist – Charakterdarsteller Ulrich Matthes erfüllt die Aufgabe mit Bravour.

12.2.2018, 15.08 Uhr

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