"Der blaue Planet"

Meere, Tiere, Sensationen: ein Meilenstein!

Die Dokureihe "Der Blaue Planet" bannt unsere Ozeane in ­wuchtige Bilder und erzählt in sechs Folgen unglaubliche, mitunter auch traurige Tiergeschichten. 

"Blaue Parallelwelt"

Ist das wirklich unser Planet? Klar, dass 70 Prozent von Wasser bedeckt sind, hat man schon öfter gehört, auch dass große Teile des Lebensraums Ozean noch unerforscht sind. Nicht zuletzt die BBC-Reihe "Unser blauer Planet" lehrte uns 2003, wie viele Geheimnisse die Meere noch bergen. Die Bilder damals waren großartig – doch was das Naturfilmer-Team nun in der Neuauflage "Der Blaue Planet" zusammengetragen hat, lässt uns noch atemloser staunen, versetzt uns quasi in eine blaue Parallelwelt voller Wunder. Dank des Fortschritts in Sachen Kamera- und Tauchtechnik wurden viele Arten und Verhaltensweisen zum ersten Mal gefilmt. Ein Fazit: Die Ozeanbewohner sind weitaus facettenreicher, sozialer und klüger als geahnt.

Fliegende Dickköpfe

Der Auftakt der sechs Folgen, eine Art globaler Prolog, lädt zu einer maritimen Reise von Süd nach Nord ein. Zunächst wirkt es übertrieben, wenn Sprecher Axel Milberg ankündigt: "Das haben Sie so noch nie gesehen!" Doch spätestens wenn eine riesige Dickkopf-Stachelmakrele katapultartig aus dem Wasser schießt, um Seeschwalben in die Tiefe zu reißen, sind solche Bedenken vergessen. "Ich denke, diese Bilder allein demonstrieren das Großartige, die Gewalt, die Dramatik und die Überraschungen, die der Ozean immer noch birgt", sagt BBC-Produzent James Honeyborne stolz.

Zu den Überraschungen gehören Rochen, die Algen zum Leuchten bringen, oder Lippfischdamen, die sich in Männchen verwandeln. Überraschend auch die Klugheit, welche die als Kleinhirne verrufenen Fische zeigen. Ein Klippfisch etwa nutzt zielsicher ein Korallenriff als "Flaschenöffner" für leckere Muscheln. Ein neuer Kandidat für die Ruhmeshalle werkzeugnutzender Tiere, sonst eher bevölkert von Affen und Raben.

Echte Teamplayer

Von den Säugetieren im Meer wusste man dagegen schon, dass sie clever sind - aber so clever? Nur ein Beispiel: Delfine werden von Schwertwalen gejagt, "überreden" diese aber plötzlich, gemeinsame Sache zu machen. Die Bilder dazu muss man einfach auf sich wirken lassen - "Der Blaue Planet" ist eine jener Sendungen, für die sich richtig große Fernseher lohnen.

Ob man dabei die Lautstärke aufdrehen sollte, ist Geschmackssache – auch in Sachen Musik setzt die Produktion auf Klotzen statt Kleckern. Stimmig wird der pathetische Sound aber, wenn die Gefährdung der Ozeane bebildert wird. Und zwar mit dem Überlebenskampf einer Walrossmutter und ihres Babys im dünnen Eis des erwärmten Klimas. "Ihre Welt schwindet dahin", kommentiert Milberg - sehr traurig, sehr wahr, sehr empörend.

Zeit & Neugier

Nach dieser fulminanten Einführung folgen an fünf Montagen weitere Spektakel: über die bizarren Bewohner der Tiefsee (26.2.), die artenreichen Korallenriffe (5.3.), die Hochsee jenseits jeder Küste (12.3.), die dichten Tangwälder (19.3.) und schließlich die Küsten (26.3.). Wir schließen uns Axel Milbergs Empfehlung an: "Kommen Sie mit auf diese unfassbare Reise! Sie brauchen keine Sauerstoffflasche. Nur sechs Mal 45 Minuten Zeit und Neugier".
 

Die Macher

Vier Jahre lang arbeitete das Team um den Meeresbiologen James Honeyborne an der Fortsetzung des Klassikers "Unser blauer Planet". Produziert wurde sie von der BBC in Zu­sammenarbeit mit dem WDR. 125-mal startete man Expeditionen auf allen Weltmeeren, mehr als 6000 Stunden gingen die Experten mit neuartigen Booten auf Tauchfahrt. Bei Aufnahmen aus der Luft kam den Machern die Drohnentechnik zugute, wo man früher aus Helikoptern filmen musste.

Kommentiert wird die deutsche Fassung von Axel Milberg (kl. Foto), der schon im Kinofilm "Die Magie der ­Moore" seine Leidenschaft für Naturthemen bewies (und übrigens am 25.2.2018 wieder im „Tatort“ zu sehen ist. Titel: „Borowski und das Land zwischen den Meeren“ …).  Die Musik liefert der Frankfurter Hans Zimmer, der bereits einen Oscar hat (für "König der Löwen") und am 5.3. auf den zweiten hofft (für "Dunkirk"; Pro 7 überträgt die Oscar-Verleihung live). 

12.2.2018, 15.16 Uhr

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