"Gladbeck"

Das Geiseldrama, das Geschichte schrieb

Im August 1988 hielt das Geiseldrama von "Gladbeck" die Nation in Atem. Die Verfilmung sahen vorab nur wenige. rtv-Redakteur Andreas Herden schon.

Rösner (S. A. Geršak, r.) und Degowski (A. Scheer) in der Tür des Linienbusses, den sie gekapert haben

Drei Stunden-Drama

Hamburg, Pressetermin. Wer das Drei-Stunden-Drama "Gladbeck" vor der Ausstrahlung im Ersten sehen will, muss hierher kommen. Der Film über das Verbrechen vor 30 Jahren, bei dem Medien wie Polizei zum Teil kläglich versagten, wird der Presse auf anderen Wegen nicht zugänglich gemacht. Der Kreis wird kleingehalten. Warum? "Wir gehen mit dem Film um wie mit einem rohen Ei", sagt Degeto-Redaktionsleiter Sascha Schwingel. "Er ist juristisch extrem anspruchsvoll."

Produzentin Regine Ziegler bestätigt und liest die Mail eines damals beteiligten Polizisten vor, der seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringt, dass die skandalösen Ereignisse endlich öffentlich aufbereitet werden. Beim Betreten des kleinen Kinos im East-Hotel im Schanzenviertel sehe ich Sascha Alexander Geršak, der Hans-Jürgen Rösner spielt. Von ihm werde ich gleich Filmsätze hören wie "Totsein ist schöner als wie ohne Geld." Das klingt echt.

"An der Grenze des Erträglichen"

rtv-Redakteur Andreas Herden (M.) mit den "Gladbeck"-Darstellern Sascha A. Geršak (l.) und Alexander Scheer

Wie alles in dem Film. Alexander Scheer, in der Rolle des Dieter Degowski fast schon unheimlich authentisch, spricht von "Dreherfahrungen an der Grenze des psychisch Erträglichen." Und ergänzt nachdenklich: "Natürlich noch viel mehr für die Kollegen, die die Geiseln gespielt haben."

So wie rtv-Titelstar Zsa Zsa Bürkle (Interview). Sie spielt Silke Bischoff. Die Frau, die die finale Schießerei auf der A3 nicht überlebt hat. Eines der drei Opfer, die die Geiselnahme forderte. Ein tödlich verunglückter Polizist wird im Film nicht thematisiert, die Erschießung des 15-jährigen Emanuele de Giorgi schon. Seiner Familie gehören die emotionalsten Szenen des Films. Ein Film, der drei Stunden Spannung hält – obwohl man vorher weiß, wie er ausgeht.

Autor: Andreas Herden

 

26.2.2018, 16.33 Uhr

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