"Ende einer Legende"

Zweites Gesicht

Das Showgeschäft und die sexuelle Gewalt: Im hochgelobten ­Vierteiler "Ende einer Legende" bei Arte werden viele Aspekte beleuchtet.

TV-Komiker unter Verdacht

Man sieht nicht, was Paul Finchley auf seinem Computer betrachtet. Doch man liest in seinem Gesicht, wie jeder Mausclick ihn verändert, seine Züge verzerrt – während nebenan die Gattin schläft. Ist Paul der gemütliche, glücklich verheiratete TV-Komiker, als den ihn die Briten lieben – oder ein sexbesessener, pornosüchtiger Straftäter, der mehrere Frauen, vielleicht gar Minderjährige missbraucht hat?

Robbie Coltrane findet mit seinem massigen Gesicht viele Wege, die Zweideutigkeit seiner Figur zu demonstrieren. "Ende einer Legende" erzählt eine fiktive Geschichte, aber auch eine glaubwürdige, eine mit sehr realen Bezügen. "Sie denken, ich bin der verfickte Jimmy Saville", klagt der verdächtige Paul in einer Szene. Dazu muss man vielleicht den Fall Saville ins Gedächtnis rufen: Der legendäre "Top of the Pops"-Moderator hatte jahrzehntelang Kinder und Jugendliche missbraucht. Erst nach seinem Tod 2011 wurde das Ausmaß klar, wurden auch weitere Täter gefasst.

Geschützt durch die Kultur der Angst

Eine "Atmosphäre der Angst" und eine "sexistische Machokultur" hatten Saville geschützt, so eine unabhängige Kommission – also eine Kultur, die im Showgeschäft offenbar furchtbar verbreitet ist. Höchste Zeit, dass diese Kultur ein Ende findet.

Die Serie "Ende einer Legende" zeigt aber auch, wie schmal der Grat zwischen notwendiger Aufklärung und öffentlicher Vorverurteilung sein kann. Trotz des heiklen Themas hat der Vierteiler in Großbritannien Kritiker und Zuschauer einhellig überzeugt. Dass viele Fragen offenbleiben, liegt in der Natur der Sache.

5.3.2018, 11.18 Uhr

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