"Vermisst in Berlin"

In "Vermisst in Berlin" geht es um Kinder, die von Kriegen und Armut nach Europa gespült wurden. Ein TV-Drama, das bewegt.

Allein in Deutschland. Lilien Batman spielt den Flüchtlingsjungen Djamal

Alltag und Albtraum

"Die Realität knallt manchmal härter ins Bewusstsein, als einem lieb ist", sagt Sherry Hormann. Von Beruf Regisseurin. Die Frau hat schon so manches auf die Leinwand, ins Fernsehen gebracht. In "Wüstenblume" das Schicksal eines Nomadenmädchens, in "Operation Zucker: Jagdgesellschaft" ging es um pädophile Kriminelle und Kinderhandel. 

Und nun das: "Vermisst in Berlin". Ein fiktionales Drama über Flüchtlingskinder in Europa, das so fiktional eben gar nicht ist. Im Film läuft so ein Flüchtlingskind nachts einer Polizistin vors Auto. Und haut ab. Die versucht herauszufinden, wer und vor allem wo das Kind ist. Und stellt fest: Dieses Kind existiert offiziell überhaupt nicht. Jördis Triebel spielt die Polizistin Judith Volkmann, eine beurlaubte LKA-Ermittlerin und "wunderbar widersprüchliche Persönlichkeit", wie Triebel findet. Eine, die sich in den Fall verbeißt, nicht lockerlässt und sich deswegen mit ihrem ehemaligen Chef anlegt. Edin Hasanovic ("Brüder") ist als stocksteifer Streber fürchterlich überzeugend: "Ich habe selten jemanden gespielt, der in seinem Handeln weiter entfernt von mir ist als er. Das Anstrengende war, ihn auszuhalten."

Wandelbare Wörner 

Das erging Natalia Wörner ähnlich. Privat ist sie Botschafterin der Kindernothilfe, im Film spielt sie die Zuhälterin Evelyn Kraft, die an der Spitze eines Netzwerkes um Menschenhandel und Kinderprostitution steht. Für Wörner ist Frau Kraft ein "absoluter Albtraum". So, wie das ganze Thema, das aktuelle Realität ist. "Weil es geschieht, während man dreht", so Regisseurin Hormann. "Mitten in Deutschland."

 

5.2.2019, 6.00 Uhr

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