Klassentreffen

Dieses "Klassentreffen" sollten Sie nicht verpassen. Der Meister der Improvisation, Regisseur Jan Georg Schütte, lässt einem einzigartigen Ensemble freien Lauf.

Impro-Regisseur Jan Georg Schütte (unten links) zeigt stolz sein Ensemble. Neben ihm kniet "Polizeiruf"-Star Charly Hübner. Hintere Reihe: Neben Nina Kunzendorf stehen Oliver Wnuk und Annette Frier, die beiden spielen das Gastgeber-paar. Es folgt Burghart Klaußner als Exlehrer, dann Marek Harloff. Mittlere Reihe: Elena Uhlig mit echtem Baby­bauch, mittlerweile ist Tochter Hedda ein Jahr alt. Daneben Kida Khodr Ramadan, hier versteckt, im Film sehr präsent. Dann Björn Jung, die "Tatort"-Stars Anna Schudt und Fabian Hinrichs, Nicole Kersten, Anja Kling, Christian Kahrmann (ja, "Lindenstraßen"-Benny), Jeanette Hain (als psychisch labile Klassen­elfe), Nadja Zwanziger und Aurel Manthei (als "Loser" ohne Abitur, der mit dem Exlehrer abrechnen will) 

Was für ein Jahrgang!

"Ich hab noch nie so viele Profis gesehen, die sich vor dem Anstoß die Hose vollpinkeln!" So bebildert Schauspieler Aurel Manthei die Stimmung unter seinen Kollegen. Kein Wunder: Die "Profis" kannten vor Drehbeginn nur ihre Rollenprofile, hatten keine Dialogsätze. Vier Stunden am Stück sollten sie improvisieren, in diversen Räumen eines Gasthauses, ständig von einer der 24 Kameras gefilmt. Keine Wiederholungen, kein doppelter Boden. 

Ein Ruf wie Donnerhall 

Viele Stars ließen sich auf das Abenteuer ein, was nicht zuletzt am Renommee des Machers hängt: Jan Georg Schütte hat sich mit "Altersglühen" und "Wellness für Paare" einen Ruf wie Donnerhall geschaffen. Mit seinem dritten Impro-Werk legte er die Latte noch höher: Noch mehr Figuren, noch mehr Kameras. Und noch mehr Unsicherheit über den Ausgang, was auch am Handlungsrahmen liegt, der für Dramen ebenso geeignet ist wie für spontane Pointen. Es geht um ein Klassentreffen, 25 Jahre nach dem Abi. Und es passiert, was eben passiert an solchen Abenden: Lebenslügen werden enttarnt, alte Konflikte brechen auf, Liebeleien werden wiederbelebt oder endgültig begraben. Und der Alkohol tut das Seine, um die Zeit zurückzudrehen. Schütte sagt über seine Inspiration: "Egal, ob man mittlerweile durch die Gegend jettet: Wenn man damals der picklige Loser war, dann nützt einem der Jet jetzt auch nichts. Man ist beim Klassentreffen wieder der picklige Loser. Das fand ich spannend". 

Nach dem Dreh musste der Regisseur 130 Stunden Material sichten und verdichten. Wenn man den fertigen Film sieht, kann man nur ahnen, wie viele gute Szenen gestrichen wurden. Es gibt etliche starke Typen: Charly Hübner als neonationaler Hüne ("Der sieht aus wie Göring", lästern die anderen), Fabian Hinrichs als Großkotz mit Wohnsitz L.A. ("Das ist alles so eng hier", sagt er über Deutschland), Kida­Khodr Ramadan als redseliger Megamacho und Marek Harloff als gescheiterter Musiker (Zitat: "Läuft voll gut. Nebenbei arbeite ich mit einem Taxi-Unternehmen zusammen.").

Gefühlte Hauptrollen

Die Schauspieler wussten natürlich nicht, wie viel ihrer Szenen im Film landen würde. Das tat dem Engagement aber keinen Abbruch, wie Oliver Wnuk bezeugt: "Durch die Freiheiten, die uns gegeben wurden, hatte jeder das Gefühl, er hätte die Hauptrolle gespielt." Merkt man!
 

26.2.2019, 6.00 Uhr

TV-Thema empfehlen