Das Dokudrama "Brecht"

Das zweiteilige Dokudrama Brecht von Heinrich Breloer nähert sich dem großen Dramatiker Bertold Brecht auf angemessen vielschichtige Weise

Tom Schilling mit einer tadellosen Brecht-Interpretation

Dichter Abend

Der Haifisch ist bekanntlich leicht als Räuber zu erkennen, an den Zähnen im Gesicht. Im Gegensatz zu diesem schmächtigen Herzensräuber, der mit leiser Stimme und scheuem Lächeln seine Beute umgarnt. Bertolt Brechts zahllose Amouren nehmen natürlich einen großen Raum ein in diesem Porträt. Mit Tom Schilling und Burghart Klaußner geben zwei grandiose Schauspieler dem Dramatiker ein Gesicht – wobei man nur erahnen kann, wie unwiderstehlich Brecht auf seine Eroberungen gewirkt haben muss.

Doch man ahnt auch, wie kalt, gar brutal er sein konnte, wenn sein Interesse erlosch. ­Ebenso widersprüchlich­ erscheint Brechts Werk und seine politische Haltung. Wir erleben ihn als Sprachrohr der Ausgebeuteten, als revolutionären Theatermacher. Aber auch als Egomanen, dem sein Ruf als Genie heilig war, der zum Opportunisten werden konnte und der vor Stalins Terror die Augen verschloss. 

Ein Film für mündige Zuschauer 

Heinrich Breloer hütet sich, für uns die Widersprüche dieses Dichterlebens aufzulösen. Wie in seinen legendären Dokudramen "Todesspiel" oder "Die Manns" umkreist der Regisseur sein Thema, um uns ein eigenes Urteil zu erlauben, das auf möglichst vielen Facetten beruht. Diese Facetten liefern auch intime Gespräche mit Zeitgenossen sowie historisches Material. Etwas Sitzfleisch ist vorausgesetzt. Und für besonders Ausdauernde komplettiert Breloer den Abend mit einer Doku über "Brecht und das Berliner Ensemble", direkt im Anschluss.  

19.3.2019, 6.00 Uhr

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