Die Satire "Größer als im Fernsehen" 

Ein Ex-Castingstar wird in der Provinz gefeiert. Doch dort ist der Schwindel noch "Größer als im Fernsehen" 

Hübsche Satire

Jede Castingshow liefert haufenweise "emotionale Momente", hoffnungsvolle Kandidaten "berühren" die Juroren, ihnen wird eine große Karriere in Aussicht gestellt. Wer’s glaubt, landet bisweilen im Dschungelcamp. Auch diese Satire beginnt in einer Wildnis-Show für abgehalfterte Ex-Castingstars. Nico (Dennis Schigiol) erzählt dort einem Leidensgenossen die Geschichte seiner kurzen Karriere, die schnell vom Privatfernsehen in die Baumärkte führt. Doch dann der Silberstreif: Im hessischen Kaff Körstel leben seine wahren Fans, dort legt er in der ausverkauften Gastwirtschaft einen furiosen Auftritt hin, er wird gefeiert, geradezu auf Händen getragen. Der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt jedoch längst, dass der Auftritt Teil eines Schwindels ist. Gastwirtin Lisa (Janina Fautz) und Bürgermeister Schulz (grandios: Gustav Peter Wöhler) benutzen Nico, um an ein Grundstück zu kommen und den Bau eines Freizeitparks zu ermöglichen. 

Glaubwürdig? Nö, macht aber nix 

Die Geschichte dieses großen Schwindels besticht nicht durch große Glaubwürdigkeit. Egal: "Größer als im Fernsehen" macht zeitweise richtig Spaß. Autor Benjamin Hessler und Regisseur Christoph Schnee haben ihr Gespür für Provinzstoffe schon bei "Mord mit Aussicht" bewiesen; hier legen sie einen netten Abgesang auf den kurzlebigen Casting-Ruhm und auf übergroße Kleinstadtträume hin. Und der Film hat, kein Witz, auch berührende Momente. 

21.5.2019, 6.00 Uhr

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