Streaming & Podcast » Diese Serien-Reboots hat keiner gebraucht
Streaming & Podcast » Diese Serien-Reboots hat keiner gebraucht

Diese Serien-Reboots hat keiner gebraucht

Diese Serien-Reboots hat keiner gebraucht

Wie wir wissen schmeckt lediglich Gulasch aufgewärmt. Eine Weisheit, von denen die US-Film- und Serien-Produzenten wohl noch nichts gehört haben. Neben katastrophalen Filmremakes, entstanden in den vergangenen Jahren auch etliche Serien-Unglücke. Hier kommen die Flop-4-Serienreboots.

Charmed

Das „Charmed“-Reboot ist wohl das Paradebeispiel dafür, was man bei einem TV-Remake so alles falsch machen kann. Klar, die Grundstory ist dieselbe geblieben: Drei (Halb-)Schwestern finden heraus, dass sie Hexen sind und müssen sich fortan gegen die Mächte des Bösen behaupten – und nebenbei Magie und ihre privaten Probleme unter einen Hut bekommen. Dumm nur, dass eingefleischte Fans der Serie der Neuauflage schon im Vorfeld eine deutliche Absage über Social-Media-Kanäle gegeben hatten. Schließlich hatte man ursprünglich auf eine Fortsetzung der Geschichte um die Halliwell-Schwester mit der Original-Besetzung der Kultserie der späten 90er gehofft. In dem verzweifelten Versuch das Reboot nun für eine völlig neue Zielgruppe der Generation Z hipper und relevanter zu machen, reichte den Produzenten die durchaus begrüßenswerte ethnische Diversität der Neubesetzung nicht aus. Nein, die drei Protagonistinnen müssen von der #metoo-Bewegung über Gender-Forschung bis Sexismus am Arbeitsplatz jedes für die weibliche Zielgruppe eventuell relevante soziale Thema bereits in der ersten Folge möglichst oft erwähnen. Das wäre löblich, wenn es authentisch wirken und diese Themen ernsthaft reflektiert werden würden, doch bei „Charmed“ verkommen sie zu Buzzword-Accessoires, um den leider alles andere als sympathischen Neu-Hexen  eine unverdiente, aufgeklärte Coolness zu verleihen – und das wirkte bereits ab Mitte des Piloten plump und peinlich. (Kristin Lenk)

Akte X

In den 90ern war die Serie „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ erst Kult und wurde dann sogar zu einem Mainstream-Erfolg. Der Kampf der beiden FBI-Agenten Dana Scully und Fox Mulder gegen die anfangs komplexe und später überkomplizierte Alien-Regierungs-Verschwörung war ebenso reizvoll wie die für sich selbst stehenden Episoden, die sogenannten „Monster of the Week“-Folgen. Die unterkühlte Beinahe-Romanze zwischen Scully und Mulder elektrisierte die Fans ebenfalls. Doch mit der Zeit wurden Drehbücher und Quoten schwächer, Mulder-Darsteller David Duchovny stieg zwischendurch aus, und so kamen die „X-Files“ 2002 nach neun Staffeln zu einem zwar nicht gerade rühmlichen, aber immerhin noch passablen Ende.
In Zeiten von Nostalgie und Neuauflagen, die keiner braucht, konnte fast 15 Jahre später jedoch auch der Serienschöpfer Chris Carter nicht widerstehen, und so kam 2016 die 10. Staffel, der 2018 die 11. folgte. Die Stars David Duchovny und Gillian Anderson waren ebenso mit an Bord wie wichtige Nebendarsteller wie Mitch Pileggi als Assistant Director Skinner und William B. Davis als der ewig rauchende Gegenspieler von Mulder.
Meine Erwartungen waren nicht zuletzt aufgrund der eher schwachen letzten Staffeln ziemlich gering – und wurden dennoch unterboten. Fast jegliche Magie, die „Akte X“ einmal ausgezeichnet hatte, ist weg. Die Versuche, den alten Themen noch einmal neues Leben einzuhauchen, wirken wie ein blasser Abklatsch von Serien, die ihrerseits einst ein Abklatsch von „Akte X“ waren. Sicher, man kann auch die neuen Staffeln schauen. Sie sind keineswegs katastrophal schlecht, sondern – was vielleicht fast noch schlimmer ist – wirken schlichtweg irrelevant. Ob die Wahrheit immer noch irgendwo da draußen ist? (Sebastian Hagner)

The Killing

Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte folgendes: Die oftmals hochgelobte US-Serie “The Killing” ist nicht mehr als ein müder Abklatsch der brillanten dänischen Crime-Serie “Forbrydelsen” (aka “Kommissarin Lund – Das Verbrechen”). Klar, “The Killing” hat Joel Kinnaman. Liebe ich. Aber mehr halt auch nicht. Ähnlich wie Scorsese in “The Departed” (als Remake von “Infernal Affairs”) haben es die Macher geschafft, die gleiche Geschichte wie im Original zu erzählen, dabei aber alles, was das Original ausmacht zu verwässern.

Wichtig im Original sind eben nicht die Norweger-Strickpullis und der Dauerregen. Sondern die bis ins Detail ausgeklügelte Geschichte um den Mord an einer 19-jährigen Schülerin. Die spannenden Einblicke in die Politik der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Sowie die nahezu besessene Ermittlungsarbeit Sarah Lunds (toll gespielt von Sofie Gråbøl). Das gibt es im Remake auch. Aber nur auf Sparflamme. Die Geschichte wurde an entscheidenen Punkten verändert. Das Ergebnis ist deutlich weniger intensiv. Das politische Geschehen wirkt aufgesetzt, nur Joel Kinnaman als Detective Holder sorgt für ein Lächeln in meinem Gesicht. Über Hauptfigur Sarah Linden verliere ich kein weiteres Wort. Sarah Lund 1. Sarah Linden Nuuuull.

Fazit: Für mich die Definition von schlecht aufgewärmt. Die Zutaten sind nach wie vor klasse. Wer das Original nicht kennt, wird auch mit “The Killing” zufrieden sein. Aber wehe, er hat einmal an “Forbrydelsen” geschnuppert. Dann gibt es kein Zurück mehr … (Sebastian Zapf)

Der Denver-Clan

Dynasty: „Was würde Alexis tun?“ Diese Frage stellten sich in schwierigen Situationen nicht wenige Frauen,  die das Glück hatten in ihrer prägenden Phase die unerreichte Queen of Bitchyness Dame Joan Collins, noch in ihrer Paraderolle als Alexis Carrington Colby Dexter Rowan im „Denver Clan“ –  der Mutter aller Hochglanz-Soaps, zu erleben. Und bis heute kann kein Serien-Biest, kein Bösewicht, keine böse Stiefmutter der raffinierten, stets stilvoll overdressten Lady auch nur das Wasser reichen. 

Schon gar nicht das Ex-“Despersate Houswive“ Nicolette Sheridan, die bedauerlicherweise den Fehler machte, im gleichzeitig völlig blutleeren, sinnentleerten und peinlich übertriebenen Reboot „Dynasty“, in die Fußstapfen von La Collins treten zu wollen. Alexis hätte für den traurigen Versuch die Glamour-Soap wiederzubeleben und ihre billige Kopie wahrscheinlich nur eine verächtlich gehobene Augenbraue übrig  und würde dem ganzen Reboot wahrscheinlich ein Glas Schampus ins Gesicht kippen. (Kristin Lenk)

Mehr Serien gibt es hier...

(*) Wir erhalten für einen Kauf über diesen Link eine kleine Provision, mit der wir die kostenlos nutzbare Webseite www.rtv.de teilweise finanzieren können. Für den User entstehen dabei keinerlei Kosten.

| rtv Redaktion | 1. Juli 2020