Streaming & Podcast » Diese Literaturverfilmungen werden der Buchvorlage gerecht
Streaming & Podcast » Diese Literaturverfilmungen werden der Buchvorlage gerecht

Diese Literaturverfilmungen werden der Buchvorlage gerecht

Diese Literaturverfilmungen werden der Buchvorlage gerecht

Literaturverfilmungen gibt es wie Sand am Meer und die Allgemeinheit der Leser ist sich da so gut wie einig: Kaum eine Verfilmung wird der Originalvorlage gerecht – die Perlen, die es dann doch gibt, sind eine Seltenheit. Das sind die Filme, von denen unsere Redaktion überzeugt ist, dass sie Inhalt und Atmosphäre des Originals rüberbringen:

Sabine S. empfiehlt "Das Parfüm"

Der Film von Tom Tykwer basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Süskind aus dem Jahr 1985. Die Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille, im Film gespielt von Ben Wishaw, ist fasziniert von der Welt der Gerüche und mit einer ganz besonders feinfühligen Nase ausgestattet. Sein größtes Ziel ist es, die Gerüche einzufangen – dazu reicht Grenouille auch das Parfümeurshandwerk nicht aus und er macht auch vor Morden nicht halt, um sein Ziel zu erreichen. Schließlich wählt der wie vom Wahn getriebene Grenouille seine ganz eigene Methode, sich aus der Welt zu verabschieden.

“Das Parfüm” ist eine der wenigen Literaturverfilmungen, die mich auf ganzer Linie überzeugt haben. Selbst schwierig darzustellende Momente, die sich ganz auf den Geruch(-ssinn) konzentrieren, gelingen hier so souverän wie es im Film möglich ist. Ben Wishaw leistet außerdem großartige schauspielerische Arbeit bei der überzeugenden Darstellung des verstörenden, extrem eigenartigen Grenouille. Die Rolle machte Wishaw im Casting nicht umsonst Leonardo DiCaprio und Orlando Bloom streitig.

Bjoern S. empfiehlt: "Der Name der Rose"

Beklemmende Spannung hinter dicken Klostermauern, mehrere Morde und ein mit detektivischem Spürsinn ausgestatteter Mönch: Mit seinem Jahrhundertwerk “Il nome della rosa” schuf der italienische Semiotiker Umberto Eco einen Klassiker der postmodernen Literatur, der spielerisch mehrere Genres wie den Kriminal-, Schauer- und den historischen Roman vor einem philosophischen Hintergrund vereint.

An die Vielschichtigkeit und Komplexität von Ecos Romanvorlage kommt Jean-Jacques Annauds Verfilmung aus dem Jahr 1986 freilich nicht heran. Muss sie aber auch gar nicht. Sie zieht einen auch heute noch mit schauriger Spannung und viel Atmosphäre – die Innenaufnahmen wurden im Kloster Eberbach im Rheingau gedreht – in ihren Bann. Dabei konzentriert sie sich auf die Mordserie, die Sean Connery als Kloster-Sherlock William von Baskerville gemeinsam mit seinem Adlatus Adson (Christian Slater) mit reichlich Spürsinn aufklärt.

Claudia P. empfiehlt "Herr der Ringe"

Bis heute gibt es Stimmen, die “Herr der Ringe” von J.R.R. Tolkien für unverfilmbar halten. Als eingefleischter Tolkien-Fan behielt ich diese Meinung auch – bis Peter Jackson sein Meisterwerk ablieferte. Bildgewaltig und bis ins kleinste Detail durchdacht ist die Trilogie absolut gelungen. Der Zuschauer wird dank aufwändiger Kulissen und spektakulärer Landschaften direkt in die Welt Mittelerdes entführt.

Besetzt ist Jacksons Verfilmung des Fantasy-Weltbestsellers mit einer guten Mischung aus bekannt-genialen Schauspielern wie Ian McKellen oder Cate Blanchett und noch unverbrauchten Gesichtern, wie Orlando Bloom, der mit “Herr der Ringe” seinen ersten Schritt nach Hollywood gemacht hat. Insgesamt schafft es der gesamte Cast ohne Ausnahmen, seinen literarischen Charakteren gerecht zu werden. Der Zuschauer kann den Einfluss des Rings, die Bürden und daraus entstehenden Charakterentwicklungen gebannt mitverfolgen. Ruhige Momente wechseln sich mit dramatischen Wendungen und fulminanten Schlachten ab, bis auch der letzte Zuschauer mitfiebert, ob am Ende das Böse geschlagen und Mittelerde gerettet werden kann.

Zugegeben, die ein oder andere Szene aus dem Buch fehlt in der Verfilmung. So vermissen viele die Figur des Tom Bombadils oder die intensiven Forschungen Gandalfs, die zur Enthüllung des Rings führen. Andererseits ist die Detailtiefe von Tolkiens Erzählkunst nicht jedermanns Sache und Peter Jacksons Verfilmung ist durchaus etwas kurzweiliger. Für die Verfilmung sprechen die großartigen Bilder, die epischen Schlachten und der geniale Soundtrack, der es schafft, egal wo man ist, den Hörer direkt nach Mittelerde zu versetzen.

Tipp: Erst das Buch lesen und sich dann für regelmäßige Reisen nach Mittelerde in die Verfilmung stürzen.   

Sebastian H. empfiehlt: „Der Tod in Venedig“

Thomas Manns Novelle über den berühmten Dichter Gustav von Aschenbach, der sich in Venedig aus der Distanz in einen schönen Knaben verliebt und den Tod findet, entstand 1911. 60 Jahre später wagte sich der berühmte italienische Regisseur Luchino Visconti an eine filmische Adaption. Visconti machte aus dem Schriftsteller Aschenbach einen Komponisten (der sicher nicht zufällig an Gustav Mahler erinnert) und nahm sich auch sonst einige Freiheiten gegenüber der Vorlage.

So entstand eine der besten Literaturverfilmungen aller Zeiten, die mit ebenso schönen wie morbiden Bildern Manns Prosa in eine genuin visuelle Erfahrung übersetzt. In der Hauptrolle lieferte der britische Schauspieler Dirk Bogarde eine überwältigend feinziselierte Leistung ab, die er auch selbst als den Höhepunkt seiner Karriere ansah. Selbst der als Thomas-Mann-Fanatiker bekannte “Literaturpapst” Marcel Reich-Ranicki musste zugeben, dass Visconti das seltene Beispiel einer gelungenen Mann-Adaption geschaffen habe. Man könnte frevelhaft hinzufügen, dass Viscontis Film vielleicht sogar ein bedeutenderes Kunstwerk ist als die Novelle des Nobelpreisträgers. 

Anh P. empfiehlt “Ernst sein ist alles”

Importance of being Earnest

Man muss die Werke des großen Dramatiker Oscar Wilde nicht kennen, um sich in diesen Film zu verlieben. Das Wortspiel des Titels „The Importance of being Earnest“ trifft die Grundaussage der rasanten Gesellschaftskomödie ganz gut: Zum einen ist es wichtig, seinen Mitmenschen gegenüber aufrichtig zu sein, zum anderen noch viel wichtiger, Ernst zu heißen. Denn in diesem Ensemble aus Figuren scheint nicht jeder der zu sein, den er vorgibt. Colin Firth und Rupert Everett spielen zwei Dandys, Jack oder Algy, die über das Wochenende zu Jacks Familie – gespielt von Judi Dench, Reese Witherspoon und Frances O’Connor – aufs Land fahren. Die warten da bereits sehnsüchtig auf die Ankunft ihres geliebten Earnest (der sich in der Stadt Jack nennt).  

Dem Wortwitz der Vorlage wird der Film in der Deutschen Synchro nicht ganz gerecht, man kann jedoch die Süffisanz der Dialoge erahnen – Tipp: einfach mal auf Englisch gucken, da wird die deutsche Sprache sogar thematisiert: “But I don’t like German. It isn’t at all a becoming language. I know perfectly well, I look quite plain after my German lesson.” (Cecily Cardew). Die schnellen gewitzten Dialoge gehen runter wie Butter und trotzdem ist eine gewisse Wachsamkeit von Nöten, um bei dieser doppeldeutigen Geschichte mitzukommen.

(*) Wir erhalten für einen Kauf über diesen Link eine kleine Provision, mit der wir die kostenlos nutzbare Webseite www.rtv.de teilweise finanzieren können. Für den User entstehen dabei keinerlei Kosten.

| rtv Redaktion | 23. April 2020