Interview mit Andrea Osvárt 

Die Schauspielerin Andrea Osvárt über ihre Lebensphilosophie, über Womanizer, Geld und die Rolle in "Allmen und das Geheimnis der Dahlien" 

Alles ist willkommen

Seit fast 20 Jahren ist die ungarische Schauspielerin Andrea Osvárt weltweit erfolgreich. Hierzulande kennen wir sie aus der "Allmen"-Reihe – Verfilmungen der Bestseller-Romane von Martin Sutter. Den neuesten Fall, einen elegant-ironischen Kunstraub-Thriller in 70er-Jahre-Vintage-Erzählweise, zeigt jetzt das Erste. 

Wie ist es für Sie, die weibliche Hauptrolle in einer deutschen Krimireihe zu spielen?

Andrea Osvárt: Für mich ist es sehr aufregend, diese Figur Jojo zu spielen, weil ich als gebürtige Ungarin Deutsch nur als Fremdsprache spreche. Und weil ich mit Heino Ferch einen mega-attraktiven Partner an meiner Seite habe. Einen echten Womanizer. (lacht)

Wie war die Zusammenarbeit mit dem "Womanizer" Heino Ferch?

Andrea Osvárt: Sehr gut. Eine starke Frauenfigur und ein toller Kollege – das sind die beiden Hauptgründe, warum ich diese Rolle übernommen habe. 

Was unterscheidet Sie privat von Ihrer Figur Joelle "Jojo" Hirt?

Andrea Osvárt: Jojo ist eine Frau, wie ich sie nicht gerne sein möchte. Jojo führt ein Luxusleben und muss dafür überhaupt nicht arbeiten, aber sie ist auch sehr unglücklich. Für mich war es interessant, diesen Kon-trast darzustellen. 

Bei "Allmen" geht es um das ganz große Geld. Was bedeutet Geld für Sie? 

Andrea Osvárt: Sehr gute Frage! Über viele Jahre habe ich versucht, Geld fest anzulegen. Ich wollte Sicherheit.

Woher kam dieser Wunsch?

Andrea Osvárt: Ich musste mein Heimatland für meine Karriere hinter mir lassen, meine Freunde, mein früheres Leben und viele Gefühle. Es hat mich viel Überwindung gekostet, all das aufzugeben. Ich bereue das nicht, aber jetzt bin ich eine andere Persönlichkeit und denke anders darüber. 

Nämlich wie?

Andrea Osvárt: Ich denke, dass Geld immer noch sehr wichtig in meinem Leben ist, aber es bedeutet mir längst nicht mehr alles. Ich häufe kein Geld mehr an, vom Geld hängt nicht meine Kreativität ab, nicht meine Gefühle und nicht meine Träume. 

In den "Allmen"-Filmen geht es auch um Ehre und Moral – welche Werte haben Sie im Leben?

Andrea Osvárt: Als gebürtige Ungarin verfüge ich über sehr viel Disziplin, und ich habe gelernt, für alles im Leben hart zu arbeiten. Aber jeder Mensch muss auch für etwas eintreten, das er im Leben für wichtig hält und woran er glaubt.

Was ist Ihre Lebensphilosophie? 

Andrea Osvárt: Ich habe meine Lebensphilosophie gerade erst gründlich erneuert, denn ich war sehr streng im Umgang mit mir selbst. Ich habe mich verändert. Mit Strenge und Kompromisslosigkeit ist es nun vorbei.

Und jetzt?

Andrea Osvárt: Ich nehme das Leben so, wie es mir geschieht, alles ist willkommen. Ich folge keinem Lebensplan. Wenn etwas passiert, dann passiert es. Ich bin gespannt darauf, was das Universum mir vorbeischickt. 

9.7.2019, 6.00 Uhr

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