Gesunde Ernährung

Aktivkohle – Ein neuer Detox-Trend?

Schwarzes Eis, schwarze Smoothies, schwarzes Gebäck – der „Black-Food-Trend“ ist bereits von Japan über die USA nach Europa gekommen. Mittlerweile hat sich Aktivkohle nicht nur als Färbemittel von düsteren Mahlzeiten etabliert, sondern avanciert zu einer Trendzutat in gesunden Rezepten. Wir bringen für Sie Licht ins Dunkle, was es mit dem neuen Detox-Trend auf sich hat und welche Anwendungen es gibt. 

Aktivkohle ist ein vielseitig einsetzbares Naturprodukt. Überwiegend wird sie in Filteranlagen dazu verwendet,  Farb-, Geschmacks- oder Geruchsstoffe zu binden. Dass Kohle aber auch eine heilende Wirkung hat, war bereits im Altertum bekannt. Ägypter und Griechen setzten Kohle als Arznei gegen Vergiftungen und Magen-Darm-Problemen ein. Noch heute gehören Kohletabletten zu einer gut sortierten Hausapotheke.

Altes Hausmittel gegen Magen-Darm-Beschwerden

Das natürliche Medizinprodukt hilft u. a. bei Reisekrankheit, Magen-Darm-Grippe oder akuten Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Blähungen oder Erbrechen. Bakterien und Gase werden im Magen-Darm-Trakt aufgenommen und mit der Kohle ausgeschieden. Durch die Kohlepartikel verfärbt sich der Stuhl dunkel, was gesundheitlich völlig unbedenklich ist.

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Erste-Hilfe-Mittel bei Vergiftungen

Im Falle von akuten Vergiftungen kann Aktivkohle zum Lebensretter werden. Besteht das Risiko, sich mit Pflanzen, Medikamenten oder chemischen Stoffen vergiftet zu haben, kann die Einnahme einer großen Menge als Ersthilfe die Gefahr eindämmen. Dabei verabreicht man pro Kilogramm Körpergewicht 0,5–1 Gramm. Die Aktivkohle nimmt im Magen bis zu 60 Prozent der schädlichen Stoffe auf und bindet sie, sodass sie nicht in den menschlichen Kreislauf gelangen.

Eine Paste aus Aktivkohle und Wasser ist auch bei Mückenstichen oder giftigen Tierbissen ein guter Nothelfer. Bei einer Drogenüberdosis verhindert das schwarze Pulver, dass ein Großteil der Droge vom Blut aufgenommen wird. Aber Aktivkohle ist kein Zaubermittel: Bei Vergiftungen mit Reinigungs- und Lösungsmitteln, Alkohol, Metallen oder Blausäure ist sie leider wirkungslos.

Kreative Köche zaubern sogar Eis mit Aktivkohle.

Kreative Köche zaubern sogar Eis mit Aktivkohle. (c) Rimma_Bondarenko / iStock

Aktivkohle entsteht aus einer chemischen Reaktion

Ihren medizinischen Effekt gewinnt Kohle erst durch eine spezielle Weiterverarbeitung. Einfache Holzkohle ist nicht sonderlich gesund, da sie viele chemische und giftige Stoffe beinhaltet. Für die Herstellung von Aktivkohle werden u.a. Baumrinde, Nussschalen oder Torf ohne Sauerstoff verkohlt. In diesem Schritt vergrößert sich die Oberfläche der Kohle um ein Vielfaches. Erst die Aktivierung macht den Kohlenstoff zur Aktivkohle: Hierbei wird das Material bei hohen Temperaturen einem Gasgemisch ausgesetzt. Dabei entstehen Kohlenmonoxid und Wasserstoff, die sich verflüchtigen. Was übrig bleibt, ist die negativ geladene Aktivkohle.

Aktivkohle wirkt im Körper wie ein Schwamm

Aktivkohle lässt sich gut mit einem magnetischen Schwamm vergleichen: Sie ist feinkörnig, porös und verfügt über eine große innere Oberfläche. Zum Vergleich: 1 Gramm Aktivkohle besitzt eine Oberfläche von 500 bis 2000 m² – fast so groß wie ein halbes Fußballfeld! Die einzelnen, miteinander verbundenen Aktivkohlepartikel bilden ein feines Netz. Wie ein Magnet werden Stoffe mit einer positiven Ladung in das negativ geladene Netz gezogen und bleiben auf der Oberfläche hängen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Absorption. Demnach wirkt die medizinische Kohle in unserem Körper wie ein Schwamm, der alle unerwünschten Stoffe wie Gifte und Bakterien aufsaugt, an sich bindet und damit unseren Körper reinigt.

Detox und Hautreinigung mit Aktivkohle

Gesundheitsbewusste Menschen wollen von diesem positiven Effekt profitieren. Zur Entgiftung und Entschlackung des Körpers wird Aktivkohle zu Smoothies oder Getränken hinzugegeben. Das Pulver soll unerwünschte Stoffe aus dem Gewebe abtransportieren und somit zu einem besseren Wohlbefinden beitragen.

Auch die Kosmetikindustrie reichert Gesichtsmasken und Peelings mit Aktivkohle an, damit die Haut von Unreinheiten, überschüssigem Hautfett und Umweltgiften befreit wird. Schwarze Zahnpasta verspricht hellere Zähne, da die Aktivkohlepartikel Gerbstoffe und Bakterien absorbieren.

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Aktivkohle ist ein vielfältiges Schönheitsprodukt.

Aktivkohle ist ein vielfältiges Schönheitsprodukt. (c) kazmulka / iStock

Aktivkohle absorbiert Schadstoffe, aber auch Nährstoffe

Jedoch gibt es keine ausführlichen Studien zur Langzeitwirkung täglicher Kohleeinnahme auf die Gesundheit. Trotz ihrer heilkundlichen Wirkung muss man eines bedenken: Aktivkohle macht keine Unterschiede, was sie absorbiert. Demnach landen sowohl Giftstoffe als auch Nährstoffe in dem feinen Partikelnetz.

Ein Smoothie reinigt zwar den Körper von innen, doch vorab nimmt die Aktivkohle bereits Vitamine und Mineralien aus den Fruchtsäften auf. Gerade diese Nährstoffe sind wichtig für einen gesunden Organismus, werden dem Körper aber vorenthalten oder entzogen. Es besteht langfristig das Risiko eines Nährstoffmangels. Auch Medikamente können dadurch ihre Wirkung einbüßen.

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Pflegeprodukte mit Aktivkohle

Die Zahnreinigung mit Aktivkohle sehen Wissenschaftler besonders kritisch. Bisher ist nicht bekannt, ob die Substanz den Zahnschmelz langfristig angreift.

Beim Kauf reinigender Pflegeprodukte sollten Sie sicherstellen, ob die Kosmetika wirklich „charcoal“ enthalten. Häufig werden anstelle dessen schwarze Farbstoffe verwendet, die ohne Wirkung sind. Damit Sie sich sicher sein können, dass Aktivkohle drinsteckt, stellen Sie Ihre Maske einfach selbst her. Vermengen Sie eine zerstoßene Aktivkohle-Tablette mit 15 Gramm Mehl und 125ml Wasser und lassen Sie die Paste 15 Minuten auf der Haut einwirken. Beim Abziehen der getrockneten Maske bleiben Unreinheiten und Hautfette auf der Oberfläche haften und klären das Hautbild.

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Ausreichend Flüssigkeit zur Aktivkohle

Trotz der Kritik ist Aktivkohle kein Teufelszeug. Bei längerfristiger Einnahme sollten Sie einiges berücksichtigen, um sich gesund und fit zu fühlen. Achten Sie auf einen gut ausgeglichenen Wasserhaushalt. Aktivkohle zerfällt nur mit viel Flüssigkeit in ihre kleinsten Teile. Entzieht die Aktivkohle dem Körper zu viel Wasser oder wird zu hoch dosiert, kann es möglicherweise zu Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfungen führen.

Sie können getrost auf vitaminreiche, schwarze Säfte verzichten. Verwenden Sie einfach eine üppige Menge Wasser, um die Kohletabletten aus der Drogerie oder Apotheke aufzulösen. Aktivkohle ist geschmacks- und geruchsneutral. Medikamente sollten immer zeitversetzt eingenommen werden. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Arzt, wenn Sie eine Entschlackungskur mit Aktivkohle planen.

Unser Fazit: Das alte Hausmittel hat viel Potenzial – ob als Arznei, Pflegeprodukt oder als Geheimzutat in einem Rezept. In der Hausapotheke sollte Aktivkohle auf jeden Fall nicht fehlen.