Gesundheit kompakt

Seitenstrangangina

Die Symptome einer Erkältung kennt jeder: Halskratzen und Schluckbeschwerden kündigen die Infektion an. Doch fallen die Beschwerden stärker aus als normal, könnte das ein Hinweis auf eine Seitenstrangangina sein. Vor allem Menschen, die keine Mandeln mehr haben, sollten dann hellhörig werden.

Was ist eine Seitenstrangangina?
Was sind die Ursachen einer Seitenstrangangina?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt eine Seitenstrangangina?
Wie wird eine Seitenstrangangina behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist eine Seitenstrangangina?

Eine Seitenstrangangina (Angina lateralis) ist eine spezielle Form der Rachenentzündung (Pharyngitis). Sie kann einseitig oder aber beidseitig auftreten. Besonders oft betroffen sind Menschen, bei denen die Mandeln bereits entfernt werden mussten. Denn die Rachenmandeln, auch Tonsillen genannt, wirken wie eine Art Stopper für die Entzündung. Im hinteren Rachen befinden sich rechts und links Lymphbahnen, die als Seitenstränge bezeichnet werden. Fehlen die Mandeln nach einer OP, kann sich eine Infektion ungehindert entlang der Lymphbahnen bis tief in den Rachen ausbreiten.

Im Gegensatz zur Rachenentzündung ist eine Seitenstrangangina recht selten. Nur etwa 1 Prozent aller Rachenentzündungen wird als Seitenstrangangina diagnostiziert.

Doch Vorsicht: Die Krankheit ist ansteckend und kann leicht über Tröpfcheninfektion durch Husten oder Niesen weitergegeben werden. Die Inkubationszeit beträgt ein bis vier Tage. Ohne Behandlung durch Medikamente ist die Angina noch fünf Tage nach Ausbruch der Krankheit ansteckend. Allerdings löst der Erreger nicht bei jedem Menschen die Erkrankung aus.

Was sind die Ursachen einer Seitenstrangangina?

In den meisten Fällen ist der Auslöser einer Seitenstrangangina ein Virus. Denn in der Regel ist eine Erkältung mit Husten und Schnupfen oder eine Bronchitis der Vorbote. Kommt dann noch eine Infektion mit Bakterien, beispielsweise mit Streptokokken, Staphylokokken oder Pneumokokken hinzu, verschlimmert sich die Entzündung im Rachenraum. Was als eine normale Erkältung beginnt, kann sich dann schnell zur bakteriellen Seitenstrangangina entwickeln. Hochsaison sind die Erkältungsphasen im Frühjahr und Herbst.

Durch eine Allergie kann das Immunsystem ebenfalls so geschwächt sein, dass die Erreger einer Seitenstrangangina leichtes Spiel haben. Wer sich im Sommer in Räumen mit Klimaanlage aufhält, kann ebenfalls mit den Bakterien schnell in Berührung kommen.

Ursachen für eine chronische Seitenstrangangina sind hingegen starkes Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und das Einatmen von staubiger, verschmutzter Luft durch den Mund.

Was sind die Symptome?

Auf den ersten Blick ähneln die Symptome einer Seitenstrangangina denen einer akuten Rachenentzündung:

  • Halskratzen, Jucken im Hals
  • Schluckbeschwerden
  • geschwollene Lymphknoten
  • geschwollenes Gefühl im Hals
  • Husten
  • gelblich-weißer Schleim im Rachen
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Nackenschmerzen

Doch es gibt einige Anzeichen, die typisch für eine Infektion der Seitenstränge sind: Die Schmerzen sind meist stärker und sitzen tiefer. Während eine Rachenentzündung den oberen Rachenraum bis zu den Mandeln betrifft, geht die Infektion bei der Seitenstrangangina noch tiefer in den Hals. Denn die Krankheit tritt überwiegend bei Menschen auf, denen bereits die Mandeln entfernt wurden.

Bei Babys und Kindern verläuft eine Seitenstrangangina jedoch anders als bei Erwachsenen. Hier sind oft Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen die ersten Anzeichen. Zusätzlich kann ein rötlicher Hautausschlag auftreten, der eher an andere Krankheiten wie Scharlach erinnert. Hier sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache für die Symptome zu klären. Da kleine Kinder meist noch ihre Mandeln haben, ist die Erkrankung bei ihnen ohnehin selten. Oft handelt es sich dann um eine Mandelentzündung.

> Was tun bei einer Mandelentzündung?

Symptome einer chronischen Seitenstrangangina

Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen einer akuten und einer chronischen Seitenstrangangina. Die Symptome ziehen sich über mehrere Wochen hinweg und fallen weniger stark aus. Ein andauernder trockener Husten und häufiges Räuspern zählen zu den typischen Anzeichen der chronischen Form. Meist verläuft die chronische Form ohne Schmerzen, weshalb viele Betroffene erst zu spät mit einer Behandlung beginnen.

Wie erkennt der Arzt eine Seitenstrangangina?

Ob Hausarzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt: Um die Diagnose stellen zu können, wird der Arzt zuerst nach der Krankheitsgeschichte und den genauen Beschwerden fragen. Anschließend wird er bei der Untersuchung einen Blick in den Hals werfen. Dabei kann er die geröteten und geschwollenen Seitenstränge erkennen, die meist mit weißen Pünktchen, sogenannten Stippchen, übersät sind. Ebenfalls wird er die Lymphknoten abtasten, die unter dem Kiefer und am Hals typischerweise geschwollen sind.

Dabei wird auch ein Abstrich der Rachenschleimhaut gemacht, um den Erreger zu bestimmen. Denn danach entscheidet sich, welches Antibiotikum zur Behandlung verabreicht wird. Strahlen die Schmerzen bis in die Ohren aus, werden auch diese untersucht, um eine Mittelohrentzündung auszuschließen.

Wie wird eine Seitenstrangangina behandelt?

Im Prinzip heilt die Erkrankung von alleine wieder komplett aus, wenn der Betroffene sich die Zeit zum Auskurieren nimmt. Sport sollte vermieden werden, da sich die Entzündung sonst auf den Herzmuskel niederschlagen kann.

Bettruhe empfiehlt sich, ebenso das Trinken von viel Kräutertee oder heißem Wasser mit Ingwer. Hausmittel, die zur Linderung einer Erkältung beitragen, sind ebenfalls ratsam, beispielsweise Inhalieren, Gurgeln mit Salzwasser oder warme Halswickel. Bei starken Schluckbeschwerden hilft oft Eis, um die Schmerzen erträglicher zu machen.

Um die Bildung von Schleim zu verhindern, sollte einige Tage auf Milchprodukte verzichtet werden. Homöopathie und Naturheilkunde halten ebenfalls eine Reihe an Globuli und weiteren Mitteln parat, um die Seitenstrangangina natürlich zu heilen. Vor allem während der Schwangerschaft und bei stillenden Müttern eignen sich Kräutertees und ähnliche Hausmittel, um die Heilung zu fördern.

> Hausmittel gegen Halsschmerzen

Seitenstrangangina-Therapie mit Medikamenten

Wer lieber auf Schmerzmittel aus der Schulmedizin setzt, kann nach Rücksprache mit dem Arzt herkömmliche Tabletten gegen die Schmerzen einnehmen, wie Ibuprofen oder Paracetamol. Eine Therapie kann auch durch Antibiotika erfolgen, sofern der Erreger festgestellt werden konnte. Sind die Beschwerden sehr stark ausgeprägt, wird der Arzt zu dieser Behandlungsform raten.

Nach der Einnahme der Medikamente tritt bereits nach wenigen Tagen eine Besserung der Beschwerden ein, nach zwei Tagen besteht kein Ansteckungsrisiko mehr. Die Seitenstrangangina geht durch das Antibiotikum (z.B. Amoxicillin, Cefuroxim) meist schnell wieder weg. Was bleibt, sind leichte Erkältungssymptome.

Da die Krankheit ohne die Einnahme von Antibiotika bis zum vollständigen Abklingen der Beschwerden ansteckend ist, sollte der Kontakt zu anderen Menschen eingeschränkt werden. Bessern sich die Symptome ob mit oder ohne Medikamente nicht nach spätestens sechs Tagen, sollte noch einmal der Arzt aufgesucht werden.

Wie kann ich vorbeugen?

Da Bakterien die Auslöser einer Seitenstrangangina sind, kann sich jeder schnell damit anstecken. Die beste Vorbeugungsmaßnahme ist deshalb eine Stärkung des Immunsystems. Viel Bewegung an der frischen Luft, eine vitalstoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig Stress und täglich mindestens zwei Liter Wasser halten die Körperabwehr aktiv.

Zusätzlich sollte in der Erkältungszeit vermehrt auf Hygiene geachtet werden. Ist im Bekanntenkreis bereits jemand erkrankt, sollte der direkte Kontakt vermieden werden.

Wie sind die Heilungschancen?

In der Regel heilt die Erkrankung bei Bettruhe und körperlicher Schonung nach drei bis sechs Tagen von alleine wieder ab. Bis die Erkältungssymptome komplett verschwunden sind, kann es bis zu zwei Wochen dauern. Bei der Einnahme von Antibiotika verkürzt sich die Dauer. Auch eine chronische Seitenstrangangina lässt sich heilen, wenn die Auslöser wie Rauchen oder Alkohol beseitigt werden. Allerdings kann es durchaus sein, dass die Seitenstrangangina jedes Jahr zur Erkältungszeit wiederkommt.

Komplikationen und mögliche Folgen einer unbehandelten Seitenstrangangina können sein:

  • Mittelohrentzündung
  • Eiter und Abszesse im Rachen
  • Herz-Erkrankungen, Herzmuskelentzündung
  • Nierenentzündung
  • rheumatisches Fieber

Deshalb sollte die Krankheit nicht auf die leichte Schulter genommen und unbedingt auskuriert werden.